Literatur

September 15, 2008

Pramoedya Ananta Toer

“Der größte Schriftsteller Indonesiens im 20. Jahrhunderts”

Pramoedya Ananta Toer war wohl wie kaum ein anderer Schriftsteller mit seinen Idealen und seinem Schmerz mit der Nation Indonesien verbunden. Er gehörte zu jenen Literaten, die eine Ideal-Vorstellung von diesem Land mit größter Entschlossenheit vertraten, der jedoch auch am meisten unter der Kluft zwischen dem Indonesien seiner Vorstellung und dem Indonesien der Wirklichkeit litt.

Listening to "history"

Indonesien, so wie es sich Pram vorstellte, war eine Nation frei von jeder Form des Kolonialismus und der Ungerechtigkeit, eine Nation, die sämtliche Strukturen des Feudalismus begraben und gleichzeitig einen fruchtbaren Boden für die Moderne mit ihren wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften bereiten kann. Pram bleibt unübertroffen, wenn er mit großer Leidenschaft über die Bedeutung der Worte „modern“ und „Mensch sein“ auf Indonesisch schrieb, in jener Sprache, die er übernahm und sich aktiv an Bestrebungen beteiligte, sie zu einer modernen Sprache zu entwickeln.

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Literatur

September 14, 2008

Ein kurzer Überblick über

die Literatur Indonesiens

Die Republik Indonesien stellt das größte Archipel der Welt dar und erstreckt sich nördlich und südlich des Äquators zwischen Asien und Australien und zwischen dem Pazifischen und dem Indischen Ozean. Aufgrund seiner Lage zwischen zwei Kontinenten und zwei Ozeanen wird die Republik, die 13 677 Inseln umfasst — etwa 6000 Inseln sind bewohnt — auch als Nusantara (Inselreich in der Mitte) bezeichnet. Ausgedehnt über drei Zeitzonen innerhalb der Koordinaten 97” – 141” Östlicher Länge und 6” Nördlicher Breite und 11” Südlicher Breite, ist das Gebiet Indonesiens fünf mal größer als das der Bundesrepublik Deutschland. Wie in anderen Kulturen der Welt hat sich die Literatur in diesem Land bereits seit schriftloser Zeit entwickelt.

pembaca-lontar

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Literatur

September 13, 2008

Literatur Indonesiens:

Schriftstellerinnen und junge Autoren

Die moderne indonesische oder, genauer gesagt, indonesischsprachige Literatur, die mit dem zunehmenden Nationalbewusstsein in Indonesien entstand, wurde von v.a. jungen Leuten vorangetrieben. Literarischen Bewegungen, die die Literaturgeschichte Indonesiens prägen und Bewegungen, die vor und nach der Proklamation der Unabhängigkeit ihren Weg einschlugen, standen eindeutig junge Schriftsteller vor.

Am Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert wird der Pulsschlag der indonesischen Literatur noch immer stark von jungen Leuten bestimmt. Die Gruppe der Älteren, das sind jene, die während ihrer Jugend schon schrieben und einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der indonesischsprachigen Literatur lieferten, schrieben nach wie vor und ihre Werke ragen noch immer heraus. Aber nicht sie, sondern die Schriftstellergeneration nach ihnen ließ das Leben der indonesischsprachigen Literatur am Anfang diesen Jahrhunderts erscheinen, als bewege es sich weitaus dynamischer.

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Literatur

September 10, 2008

Raoul Schrott und die Dichtung

Am Abend des 28. September 2006 scheint sich der Saal des GoetheHaus Jakarta plötzlich auszudehnen, als der Schauspieler Arswendy Nasution beginnt, Auszüge aus der Übersetzung der Novelle Die Wüste Lop Nor von Raoul Schrott zu lesen. Bilder von Stränden und Hügeln, von alten Städten und Häfen, seufzenden Sandwüsten und heiligen Stätten, in Steilufer gemeißelt, erheben sich tanzend aus der Lesung, treiben die Wände des abgedunkelten Saales auseinander und verbinden diesen mit der Weite der Welt.

Drei Stunden vorher fand ein ähnliches Abenteuer im Ausstellungsraum gleich neben dem Saal statt, als dieser eine Diskussion im kleinen Kreis beherbergte. Vor ungefähr 20 Diskussionsteilnehmern legte Raoul seine Sicht über das Wesen der Dichtung dar, über den Ursprung von Reimen, über die Zauberkraft von Worten, wenn sie Bilder menschlichen Handelns vorführen. Neben den Schwierigkeiten bei der Übersetzung von literarischen Werken sprach Raoul auch Probleme der Sprache an, die die moderne Physik umfasst. Die Darlegungen Raouls eröffneten ein Panorama, das die Zeitgrenzen durchbrach und die Diskussionsteilnehmer zu den ersten Stunden der Dichtung vor etwa 4000 Jahren führte bis hin zur gegenwärtigen Auseinandersetzung der Dichtung, die er auf eine gleiche Stufe mit der Quantenmechanik stellt.

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Literatur

September 9, 2008

Ein Roman der dritten Kultur?

1959 hielt Charles Percy Snow einen Vortrag an der Universität Cambridge, der eine lange Debatte auf der nördlichen Halbkugel auslöste. Der Vortrag, der später in Snows Buch mit dem Titel The Two Cultures erschien, beleuchtet die Kluft zwischen zwei Kulturen. Auf der einen Seite stünde demnach die literarische Kultur, jene Gruppe, die sich von je her als intellektuell bezeichnen würde. Obwohl ihre Werke fiktionalen Charakters seien und mehr die Form von Kommentaren auf Kommentare hätten, seien es gerade die Vertreter dieser Kultur, die das Recht in Anspruch nähmen, über die großen Dinge des Daseins zu sprechen und Erklärungen über die Welt abzugeben. Auf der anderen Seite stünden die Wissenschaftler, die noch niemals als intellektuell betrachtet worden seien, schon eher manchmal als Handwerker. Doch gerade ihre in der empirischen Welt fußende Arbeit veränderte die Welt sichtbar.

Der zweiten Ausgabe seines Buchs fügte C.P. Snow einen Essay hinzu, in der er auf die Entstehung einer dritten Kultur baut, die die wissenschaftliche und die literarische Kultur miteinander vereint. Als ich zum ersten Mal von dem Roman Supernova hörte, dachte ich, dies sei der Roman der dritten Kultur in Indonesien. Als ich ihn dann – ein wenig stockend – las, schien mir, dass Dee (Dewi Lestari), die Autorin der Supernova, das Potenzial dazu hat, ein wichtiger Teil von C.P. Snows Traum zu werden (zumindest in Indonesien). Supernova ist mit sichtbarem Talent geschrieben und der glühenden Leidenschaft eines sich herausgefordert fühlenden Anfängers.

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Literatur

September 9, 2008

Heilende Erinnerungen

Mit „Comparative Literary Studies“ wird ein weiter Fachbereich bezeichnet, der sich mit Literatur und anderen Formen der Kunst auseinandersetzt. Vergleichende Analysen überschreiten hierbei Landesgrenzen und linguistische Grenzen, wobei jedoch der geschichtliche und kulturelle Kontext der jeweiligen Werke berücksichtigt bleibt. Der folgende Artikel wird nicht so weit gehen, er versucht lediglich die beiden Romane Larung von Ayu Utami (Indonesien) und The God of Small Things von Arundhati Roy (Indien) zu vergleichen. Diese Romane – beide von jungen Frauen geschrieben, die aus asiatischen Ländern stammen – können als außergewöhnlich bezeichnet werden. Noch bevor Larung auf dem Markt erschien, wurden bereits ca. 15.000 Exemplare des Buchs vorbestellt. Dies ist eine phänomenale Leistung für indonesische Verhältnisse. Der Roman The God of Small Things erschien bereits vor einigen Jahren, und bis heute wurden von ihm mehr als sechs Millionen Exemplare verkauft und er wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Sowohl bei Larung als auch bei The God of Small Things fällt bald die Präsenz von kleinen Dingen auf, von Gegenständen, die unbedeutend scheinen, jedoch real vorhanden sind und auf starke Art und Weise „Stimmungen“ entfalten können. Schon nach den ersten Seiten wird deutlich, dass die beiden Romane jeweils Episoden erzählen werden, die jede für sich stehen könnten; wie Diamanten, die von genauen Beobachtungen und einem scharfen Blick auf die scheinbar unbedeutenden Dinge geschliffen wurden. Mit ihrer Sprache, ihren Metaphern, ihrem Rhythmus und ihrer Lyrik regen diese beiden Romane unsere Vorstellungskraft an und beleben unsere Erfahrungen, die nicht nur in Verbindung mit unbedeutenden Dingen stehen. Etwas erfahren, das wissen wir, heißt, sich dem Wesen von Dingen öffnen, ob bewusst oder unbewusst. Als würden wir wesentliche Eigenschaften von Dingen in uns aufnehmen, wobei wir einige dieser Eigenschaften vielleicht vergessen, sie bleiben jedoch und lassen sich als Teil unseres Unterbewusstseins nieder. In besonderen Momenten wird das Vergessene wieder lebendig und bereichert unser Leben, erhöht es um eine Stufe.

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